Bei der Nutzung eines neuen Servers ist nicht bei der Hardware Schluss, denn es kommen weitere Kosten hinzu. Je nach Verwendung sind hier CALs für Mitarbeiter oder Geräte zu bedenken. In größeren Rechenzentren können die Softwarekosten einen beträchtlichen Teil des Budgets ausmachen.
Wie hoch die Rechnung ausfällt, hängt stark von der vorhandenen Technik ab. Zahl und Ausstattung der Hosts spielen ebenso hinein wie die Virtualisierung. Vor dem nächsten Lizenzkauf lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den Bestand.
Erst die benötigten Core-Lizenzen berechnen
Windows Server Standard und Datacenter werden nach Prozessorkernen lizenziert. Für einen physischen Server zählen grundsätzlich alle vorhandenen Kerne. Gleichzeitig gelten Mindestwerte. Pro Prozessor sind mindestens acht Kerne anzusetzen, pro Server mindestens 16.
Hat ein Server zwei Prozessoren mit je zwölf Kernen, sind folglich 24 Kerne abzudecken. Bei zehn ähnlich ausgestatteten Hosts sieht die Rechnung bereits ganz anders aus als bei einem einzelnen Server im Technikraum.
Neben neuen Angeboten kommen auf dem Softwaremarkt auch Windows Server Lizenzen gebraucht infrage. Lyzio handelt unter anderem mit solchen Softwarelizenzen. Für Firmen ist bei gebrauchten Nutzungsrechten neben dem Preis vor allem die Lizenzhistorie interessant. Woher stammt die Lizenz und wurde sie wirksam weitergegeben? Entsprechende Unterlagen gehören daher zu einer seriösen Beschaffung dazu.
Standard und Datacenter rechnen sich unterschiedlich
Der Preisvergleich zwischen Standard und Datacenter funktioniert nicht allein über den Kaufpreis. Entscheidend ist vor allem, was auf dem jeweiligen Host laufen soll.
Mit Windows Server Standard sind bei vollständiger Lizenzierung des Hosts grundsätzlich zwei virtuelle Betriebssystemumgebungen abgedeckt. Für weitere virtuelle Maschinen kann eine erneute vollständige Lizenzierung notwendig werden. Datacenter erlaubt auf einem vollständig lizenzierten Host dagegen eine unbegrenzte Zahl virtueller Betriebssystemumgebungen.
Bei einem Server mit zwei oder vier virtuellen Maschinen kann Standard preislich interessant sein. Je stärker ein Host virtualisiert wird, desto wichtiger wird der Vergleich mit Datacenter.
Die Microsoft-Informationen zur Lizenzierung von Windows Server zeigen, welche Rechte mit den einzelnen Editionen verbunden sind. Wer seine Umgebung neu plant, kann verschiedene Szenarien einmal komplett durchrechnen. Gerade bei mehreren Hosts macht die Verteilung der virtuellen Maschinen einen erheblichen Unterschied.
User CAL oder Device CAL
Die Core-Lizenzen decken noch nicht jeden Zugriff auf Windows Server ab. In vielen Umgebungen kommen Client Access Licenses hinzu. Bei User CALs erhält eine bestimmte Person das Zugriffsrecht. Ob diese Person vom Büro-PC oder vom Notebook zugreift, ändert daran nichts. Das kann für Unternehmen interessant sein, in denen Beschäftigte mehrere Geräte verwenden.
Device CALs drehen dieses Prinzip um. Hier erhält das Gerät die Zugriffslizenz. Greifen beispielsweise mehrere Mitarbeiter im Schichtbetrieb über denselben Arbeitsplatz auf Windows Server zu, kann dieses Modell günstiger ausfallen.
Nehmen wir 30 Beschäftigte, von denen jeder mit Desktop und Notebook arbeitet. Hier wären 30 User CALs denkbar. Nutzen dieselben 30 Personen im Schichtbetrieb nur zehn gemeinsam verwendete Rechner, verändert sich die Rechnung zugunsten der Device CALs. Es zählt also nicht, wie viele Personen gerade gleichzeitig angemeldet sind. Entscheidend ist, welche Nutzer oder Geräte ein Zugriffsrecht benötigen.
Für Dienste wie Remote Desktop Services können weitere CALs hinzukommen. Diese Kosten gehören ebenfalls in die Kalkulation.
Wann gebrauchte Volumenlizenzen interessant werden
Nicht jede IT-Abteilung plant sofort mit der neuesten Servergeneration. Läuft eine wichtige Fachsoftware zuverlässig auf einer älteren und noch unterstützten Windows-Server-Version, kann genau diese Version weiterhin gebraucht werden. Auf dem Gebrauchtmarkt finden sich unter anderem Lizenzen aus Volumenverträgen. Der Käufer übernimmt dabei nicht einfach irgendeinen Produktschlüssel, Gegenstand des Kaufs ist ein Nutzungsrecht.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn ein Aktivierungsschlüssel kann technisch funktionieren und trotzdem keinen ausreichenden Beleg dafür liefern, dass die Software rechtmäßig genutzt werden darf.
Deshalb gehört zur Preisfrage immer die Herkunft. Bei einem späteren Audit hilft ein billiger Schlüssel wenig, wenn niemand mehr erklären kann, auf welchem Weg das Unternehmen die dazugehörigen Rechte erworben hat.
Was der EuGH zum Weiterverkauf entschieden hat
Für den europäischen Gebrauchtsoftwaremarkt ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 3. Juli 2012 in der Rechtssache C-128/11 zentral.
Damals ging es um heruntergeladene Software und die Frage, ob sich ein Hersteller dem späteren Weiterverkauf widersetzen kann. Der EuGH bejahte unter bestimmten Bedingungen die Erschöpfung des Verbreitungsrechts.
Vereinfacht gesagt kann ein dauerhaft eingeräumtes Nutzungsrecht weiterverkauft werden, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Der Ersterwerber darf seine Kopie anschließend nicht weiterverwenden.
Das ist jedoch kein Freibrief für jeden Lizenzhandel. Ob ein konkretes Nutzungsrecht übertragen werden kann, muss sich aus seiner Herkunft und den Umständen des ursprünglichen Erwerbs ergeben. Das vollständige Urteil C-128/11 ist beim Europäischen Gerichtshof abrufbar.
Welche Unterlagen beim Gebrauchtkauf wichtig werden
Spätestens bei einer Lizenzprüfung zeigt sich, warum die Dokumentation nicht im Einkauf enden sollte.
Eine Firma muss ihre Nutzungsrechte plausibel belegen können. Bei gebrauchter Software sind deshalb Informationen zum ursprünglichen Erwerb relevant. Ebenso sollte dokumentiert sein, welche Rechte übertragen wurden.
Das betrifft gerade Volumenverträge. Aus einem großen ursprünglichen Lizenzbestand muss hervorgehen, was davon den Besitzer gewechselt hat. Eine Rolle spielt es außerdem, wie der vorherige Inhaber die Lizenz genutzt hat.
Je sauberer diese Kette dokumentiert ist, desto leichter lässt sich später erklären, warum die Software im eigenen Rechenzentrum eingesetzt werden darf.
Bei größeren Summen kann eine Prüfung der Unterlagen vor dem Kauf sinnvoller sein als eine Diskussion darüber, ob eine einzelne Lizenz einige Euro weniger kostet.
Sparen beginnt beim vorhandenen Bestand
Einsparpotenzial gibt es aber nicht nur beim Einkauf, sondern auch im Serverraum. Wenn der Host außer Betrieb genommen wurde und noch in den Lizenzlisten steht, kostet das Geld. Auch virtuelle Maschinen können verschoben worden sein oder die Anzahl der Mitarbeiter hat sich verändert. Solche Veränderungen gehören in die Lizenzplanung.
Hilfreich ist eine Bestandsliste, die tatsächlich zur aktuellen Infrastruktur passt. Darin sollten physische Hosts samt Kernzahl ebenso auftauchen wie die darauf betriebenen virtuellen Windows-Server. Auch vorhandene CALs gehören dazu.
Anschließend lässt sich der Bedarf neu berechnen. Vielleicht fehlen tatsächlich zusätzliche Rechte. Vielleicht liegen aber bereits genügend Lizenzen vor.
Bei älteren Verträgen lohnt außerdem ein Blick auf vorhandene Downgrade-Rechte. Software Assurance kann wiederum zusätzliche Rechte mitbringen, die eine separat gekaufte gebrauchte Dauerlizenz nicht automatisch enthält.
Supportdauer nicht aus der Rechnung streichen
Ein niedriger Kaufpreis macht eine ältere Windows-Server-Version nicht automatisch zur günstigsten Wahl. Endet der Support in absehbarer Zeit, können bald Kosten für eine Migration entstehen. Auch Fachanwendungen setzen möglicherweise bestimmte Serverversionen voraus.
Die günstigste Beschaffung ist deshalb diejenige, die zur geplanten Nutzungsdauer passt. Wer einen Server noch fünf Jahre betreiben möchte, muss anders kalkulieren als ein Unternehmen, das eine bestehende Umgebung nur für zwölf Monate überbrücken will. So wird aus dem Lizenzvergleich keine reine Preissuche. Entscheidend ist, welche Rechte für die vorhandene Infrastruktur wirklich gebraucht werden und wie lange sie dort ihren Zweck erfüllen.

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